Broken Silence #11/00
Was sich bereits auf der "1999 Man" EP (erschienen auf Man's Ruin) andeutete, setzen die Euroboys um Ex-Turbonegro Gitarrenhexer Knut Schreiner auf "Getting Out Of Nowhere" nun tatsächlich fort: etwas weg von ihren früheren ausschweifenden Instrumentalepen hin zu strafferen Songs mit mehr Gesang, der ja auf früheren Releases wie "Jet Age" und "Long Day's Flight `Till Tomorrow" nur sehr sporadisch zum Einsatz kam. Und mir selber gefällt sowohl das eine wie das andere ganz ausgezeichnet, denn im Grunde genommen hat sich am Gesamtsound der Euroboys nichts Grundlegendes verändert. Wozu auch etwas verändern, was bisher hervorragend funktioniert hat? Und in Sachen absolut leger groovender, rockiger & surfig-relaxter Gitarrenmucke verfeinert mit allem möglichen, was Sinn macht (Orgel, Trompete etc.), bleiben die Euroboys auch mit "Getting Out Of Nowhere" absolut erste Wahl, denn nur wenige Bands mit einer ähnlichen Herangehensweise schaffen es, eine derart relaxte Atmosphäre zu schaffen wie diese fünf Norweger und dabei auch noch absolut schmissige Songs zu schreiben, die nicht nur einfach entspannt an einem vorbeidudeln, sondern sich mit jedem Hördurchgang mehr und mehr entfalten und in den Gehörgängen festfressen. Zumal das hier alles auch ganz groß gespielt ist und allein die Licks, die Knut Schreiner seiner Gibson immer wieder entlockt, jedem Gitarrenlehrer die Schamesröte ins Gesicht treiben würden. Doch dabei verfallen die Euroboys niemals in selbstgefälliges Wichsen oder bloßes zur Schaustellen ihres Könnens, das nicht. Vielmehr werden hier sämtliche Register ausgefeiltesten Songwritings gezogen, was natürlich nur möglich ist, wenn einem auch die entsprechenden Fähigkeiten zur Verfügung stehen. Heraus kommen dabei Perlen wie der auch von den Lyrics her extrem coole Opener "All Of My Money", das mit einem Saxophon verfeinerte "Master Charge", oder auch das ziemlich rockige "Smash It To Pieces!". Und auch von der Aufmachung und dem Coverartwork her präsentiert sich "Getting Out Of Nowhere" erneut absolut gediegen und edel, sodass ich diese Band wieder einmal nur jedem ans Herz legen kann, der auf der Suche nach wirklich großer Rockmusik ist, die fernab von Genres, Schubladen & Kommerzdenken ihr ganz eigenes Ding dreht. Hoffentlich bald auch wieder live in hiesigen Gefilden zu bewundern, denn wenn man die Euroboys zu ihrem phantastischen Sound auch noch mit eigenen Augen sehen kann, erhöht das den Genuss gleich noch einmal ganz erheblich. Aber vorher auf jeden Fall erst mal "Getting Out Of Nowhere" klarmachen und eine Weile einwirken lassen ...
(Thomas Jänsch)
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